Muttertag bedeutet auch Sichtbarkeit
Muttertag bedeutet für viele Menschen Blumen, Frühstück ans Bett oder liebe Worte. Aber Muttertag kann auch ein Anlass sein, über Menschen zu sprechen, die oft übersehen werden. Dazu gehören Mütter mit Behinderung oder chronischer Erkrankung. Viele von ihnen erleben noch immer Vorurteile, Zweifel und Barrieren. Dabei ist Muttersein für sie genauso selbstverständlich wie für andere Frauen.
Deshalb ist Sichtbarkeit so wichtig. Wenn Mütter mit Behinderung kaum in der Öffentlichkeit vorkommen, entstehen falsche Bilder. Viele Menschen denken dann, sie seien weniger kompetent oder könnten sich nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern. Oft wird Unterstützung mit fehlender Fähigkeit verwechselt. Dabei sind Frauen mit Behinderung genauso Mütter wie andere auch: Sie kümmern sich, organisieren, trösten, begleiten und lieben ihre Kinder.
Gesellschaft wird offener
Zum Glück hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Mutter zu sein ist für Frauen mit Behinderung sichtbarer geworden. Es wird offener darüber gesprochen. Auch Unterstützungsangebote und Austauschmöglichkeiten haben zugenommen.
Besonders im Bereich der „begleitenden Elternschaft“ gibt es mehr Modelle und Unterstützungsmöglichkeiten. Das zeigt: Die Gesellschaft beginnt langsam umzudenken.
Assistenz bedeutet Unterstützung – nicht Betreuung
Auch beim Thema Assistenz hat sich etwas verändert. Heute wird eher akzeptiert, dass Menschen mit Behinderung Assistenz nutzen und gleichzeitig Eltern sind. Wichtig ist dabei: Assistenz bedeutet Unterstützung – nicht Betreuung. Die Eltern treffen weiterhin selbst die Entscheidungen.
Eine Mutter aus dem Netzwerk beschreibt es so:
„Die Assistenz ersetzt nur Arme und Beine. Sie tragen meine Kinder über eine Treppe zum Kinderarzt – aber ich spreche mit dem Arzt.“
Dieses Beispiel zeigt deutlich, worum es geht. Assistenz unterstützt dort, wo Barrieren bestehen. Sie ersetzt aber nicht die Elternrolle.
Unterstützung bleibt oft schwer zugänglich
Trotzdem gibt es weiterhin große Probleme. Besonders körperbehinderte Elternteile haben oft Schwierigkeiten, Unterstützung für den Alltag mit Kindern zu bekommen. Kinderassistenz wird häufig nicht einfach bewilligt. Jugendämter oder andere Stellen tun sich damit oft schwer. Manche Familien suchen deshalb eigene Lösungen, zum Beispiel mit einem Au-pair.
Auch finanzielle Fragen spielen eine große Rolle. Viele Leistungen hängen vom Einkommen ab. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern. Manche Unterstützungen oder Hilfsmittel müssen mühsam beantragt werden. Viele Frauen erleben dabei, dass ihre Kompetenz als Mutter oder Elternteil hinterfragt wird.
Kinder wachsen selbstverständlich damit auf
Dabei zeigen viele Erfahrungen etwas anderes: Kinder wachsen selbstverständlich mit der Behinderung ihrer Eltern auf. Sie lernen früh, damit umzugehen. Viele Mütter berichten sogar, dass Außenstehende oft mehr Angst haben als die Kinder selbst.
Claudia, eine unserer Netzwerk – Sprecherinnen, sagt:
„Habt Mut! Seid flexibel und überlegt selbst, was ihr euch zutrauen und nicht zutrauen würdet. Hört auf euer eigenes Bauchgefühl und habt Mut, wenn ihr euch das vorstellen könnt! Lasst euch keine Angst machen, wenn ihr davon überzeugt seid, dass ihr das schafft.“
Claudia Seipelt – Holtmann
Diese Worte machen Mut. Denn Behinderung sagt nichts darüber aus, ob Kinder glücklich sind. Sie brauchen Liebe, Vertrauen und Menschen, die für sie da sind.
Muttersein und Behinderung gehören zusammen!
Eltern mit Behinderung zeigen jeden Tag, dass Elternschaft viele Formen haben kann. Hilfe anzunehmen bedeutet nicht, dass die eigene Kompetenz infrage steht. Austausch und Netzwerke können dabei stärken und unterstützen.
Am Muttertag möchten wir deshalb all die Frauen und Elternteile sichtbar machen, die oft gegen Vorurteile kämpfen müssen und trotzdem ihren eigenen Weg gehen. Elternschaft und Behinderung schließen sich nicht aus. Sie gehören selbstverständlich zusammen.
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