Zu Besuch bei Claudia Middendorf: Was steht an bei Gewaltschutz und Arbeitsmarkt?

Bei unserem Besuch bei der Beauftragten der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten, Claudia Middendorf, haben wir nicht nur über mehr als 30 Jahre NetzwerkBüro gesprochen. Im Mittelpunkt standen vor allem die aktuellen Herausforderungen beim Gewaltschutz für Frauen und Mädchen mit Behinderungen.

Wie geht es mit dem Gewaltschutz weiter?

Die Landesinitiative Gewaltschutz, die nach den bekannt gewordenen Gewaltvorfällen im Wittekindshof ins Leben gerufen wurde, endet offiziell zum Jahresende.

Für uns stellen sich wichtige Fragen:

  • Wie geht es danach mit dem Gewaltschutz in der Eingliederungshilfe weiter?
  • Haben die Schutzkonzepte, die Einrichtungen in den vergangenen Jahren entwickelt haben, tatsächlich zu Verbesserungen geführt?
  • Gibt es heute weniger Gewalt?

Eine wichtige Folge der Vorfälle im Wittekindshof war die Einrichtung der Monitoringstelle freiheitsentziehende und freiheitsbeschränkende Maßnahmen.

Claudia Middendorf berichtete über die Entwicklung der freiheitsbeschränkenden und freiheitsentziehenden Maßnahmen in den Einrichtungen. Außerdem stellte Julia Jansen von der Monitoringstelle deren Arbeit vor. Dort werden inzwischen auch Hinweise auf andere Formen von Gewalt aufgenommen und an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Eine spezialisierte Anlaufstelle für sexualisierte Gewalt gibt es jedoch bislang nicht.

Umsetzung des Gewalthilfegesetzes

Ein weiteres Thema war das Gewalthilfegesetz. Es sieht vor, dass Frauen ab 2032 einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhaus haben.

Zurzeit wird in Nordrhein-Westfalen geprüft, wie gut Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen aufgestellt sind und wo es noch Lücken gibt. Bis zum Jahresende soll dazu eine Bedarfs- und Entwicklungsplanung vorliegen. Auf dieser Grundlage wird die Landesregierung über die nächsten Schritte entscheiden.

Für uns ist besonders wichtig, dass Frauen mit Behinderungen von Anfang an mitgedacht werden. Wir erwarten einen großen Bedarf an Austausch und Beratung zur Umsetzung umfassender Barrierefreiheit – weit über ein rollstuhlgerechtes Zimmer hinaus.

Aktionsplan zur Istanbul-Konvention

Auch der Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Nordrhein-Westfalen soll zum Jahresende vorgestellt werden. Darauf sind wir sehr gespannt.

Während der Erarbeitung wurde das Thema Frauen und Mädchen mit Behinderungen berücksichtigt. Das NetzwerkBüro war ebenso beteiligt wie die Bielefelder Fachstelle. Außerdem waren Frauen mit Behinderungen als Selbstvertreterinnen in den Prozess eingebunden.

Wir hoffen, dass der Aktionsplan in den kommenden Jahren zu konkreten Verbesserungen führt – so wie es in einigen Kommunen bereits gelungen ist.

Weitere Themen

Natürlich haben wir auch über andere wichtige Themen gesprochen.

Dazu gehört der inklusive Arbeitsmarkt. Der Teilhabebericht 2025 belegt erneut die schwierige wirtschaftliche Situation von Frauen mit Behinderungen. So liegt ihr durchschnittlicher Stundenlohn deutlich unter dem von Frauen ohne Behinderungen. Für uns ist klar: Diese Ungleichheit muss gezielt angegangen werden. Wir fordern deshalb Maßnahmen, die die beruflichen Chancen und die Einkommenssituation von Frauen mit Behinderungen nachhaltig verbessern.

Ein weiteres Thema war die Künstliche Intelligenz (KI). KI spielt im Alltag eine immer größere Rolle und unterstützt inzwischen viele Menschen beim Schreiben von Texten oder Anträgen. Gleichzeitig kann sie fehlerhafte Informationen liefern oder sogenannte Halluzinationen erzeugen. Gerade bei Widersprüchen, Anträgen oder anderen wichtigen Schreiben müssen die Inhalte deshalb sorgfältig überprüft werden.

Auch der Missbrauch von KI und die zunehmende digitale Gewalt waren Thema unseres Gesprächs. Wir sehen hier einen großen Bedarf an Information, Aufklärung und Schulungen für Frauen und Mädchen mit Behinderungen.

Es war ein intensiver und konstruktiver Austausch. Wir bedanken uns herzlich bei Claudia Middendorf für das Gespräch.