Projekte

  • LauterStarke FrauenProjekt zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen mit Behinderung und chronischer Erkrankung
  • Depressionen und psychosomatische Störungen bei Behinderung/chronischer Erkrankung als Thema im Fokus der SelbsthilfeDepressionen und psychosomatische Störungen bei Behinderung/chronischer Erkrankung im Fokus der Selbsthilfe unter genderspezifischen Aspekten

Aktuelles

Beim Schreiben alle ansprechen!

„Alle statt jedermann“

Inklusion bedeutet: Alle sind gemeint. Von Anfang an. Deutsche Sprache ist aber männlich geprägt. Es wird schnell gesagt: Ich gehe zum Arzt, auch wenn es sich um eine Ärztin handelt. Wir holen uns den Rat vom Apotheker oder fragen den Fachmann, auch wenn es Frauen sind.

Im Netzwerk sprechen wir natürlich die Frauen oder Mädchen an, wenn es um Frauen oder Mädchen geht. Geht es aber z.B. um alle Menschen mit Behinderung, versuchen wir, durch unsere Sprache niemanden auszuschließen. Manchmal fällt es uns schwer, das gut auszudrücken. Deshalb waren zwei Kolleginnen vom NetzwerkBüro in der Schreibwerkstatt von Eva-Maria Lerche. Der Workshop hieß „Alle statt Jedermann. Gendergerecht und verständlich schreiben“.

Im “Schreibraum“ haben wir erlebt und ausprobiert, wie wandelbar, vielschichtig und mächtig Sprache sein kann. Besonders unsere Kollegin Antje, die auch Übersetzerin für Leichte Sprache ist, muss aber in Zukunft noch kreativer sein: Denn Leichte Sprache und gendergerechte Sprache vertragen sich nicht immer. 

Die Botschaft im Workshop: Gendergerechte Sprache ist eine menschengerechte Sprache. Sie ist frei von Diskriminierung ist und schließt alle mit ein. Damit niemand durch Worte verletzt wird und alle an der Sprache teilhaben können. 

Wir arbeiten dran!

Auf Facebook teilen

Frauen mit Behinderung fest im Blick:

Bochum engagiert sich für die Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen – natürlich inklusiv!

Zu sehen sind Zuhörerinnen im Kunstmuseum Bochum. Im Hintergrund sind Stellwände mit den Fotos von früheren Bochumer Aktionen gegen Gewalt sichtbar.
Zuhörerinnen im Kunstmuseum Bochum – im Hintergrund sind Stellwände mit Fotos früherer Bochumer Aktionen gegen Gewalt

Im Mai dieses Jahres flatterte uns die Einladung ins Haus: Die engagierten Frauen aus dem Referat für Gleichstellung, Familie und Inklusion der Stadt Bochum luden ein zur Veranstaltungsreihe über die Istanbul-Konvention. Die Konvention heißt in der Langfassung „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ und ist seit Februar 2018 auch in Deutschland gültiges Recht (siehe auch Institut für Menschenrechte).

In der Auftaktveranstaltung Ende Mai wurde die Istanbul-Konvention vorgestellt. Wir haben diskutiert, wie eine ganze Stadt sie nutzen kann, um Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beenden. Die Veranstaltung wurde zeitgleich übersetzt in Leichte Sprache. So konnte z.B. auch die Frauenbeauftragte aus einer Bochumer Werkstatt gut teilnehmen und alles verstehen. Uns gefiel nicht nur die Veranstaltung gut, sondern auch der inklusive Ansatz der Kolleginnen aus Bochum. Wir haben deshalb nachgehakt.

Das gesamte Interview ist hier nachzulesen:

Weiterlesen … Auf Facebook teilen

LAG Selbsthilfe NRW: „Selbsthilfe als Motor der Inklusion“

Das NetzwerkBüro bei der Mitgliederversammlung

Unter dem Motto „Selbsthilfe als Motor der Inklusion“ kamen am vergangenen Samstag zahlreiche Mitglieder der LAG SELBSTHILFE NRW zur diesjährigen Mitgliederversammlung zusammen. Die LAG Selbsthilfe NRW ist ein Zusammenschluss von aktuell 137 Gruppen und Verbänden der Selbsthilfe. Sie bündelt die Interessen ihrer Mitglieder in politischen Gremien und stellt damit einen Motor der Inklusion dar. Denn nur Menschen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen selbst können als „Expert*innen in eigener Sache“ sagen, was sie benötigen, um an der Gesellschaft teilhaben zu können. So treiben sie wichtige Veränderungen und damit den Inklusionsprozess voran.

Die LAG SELBSTHILFE NRW initiiert innovative eigene Projekte, z.B. zur politischen Beteiligung von Menschen mit Behinderung / chronischer Erkrankung in Städten und Kreisen. Sie engagiert sich auch als Trägerorganisation, z.B. von neun EUTBs oder dem KSL Münster. Auch das NetzwerkBüro ist juristisch gesehen ein Projekt in Trägerschaft der LAG SELBSTHILFE NRW. Deshalb haben wir den Tag hautnah miterlebt und zudem unsere Arbeit aus 2018 kurz vorgestellt.

Zuvor stellte am Vormittag die Juristin Anja Bollmann unter dem Motto „Selbsthilfe als Motor der Inklusion“ Beteiligungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung vor. Das BTHG soll die Teilhabe- und Selbstbestimmungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung vergrößern. Ihre Mitsprache bei der Umsetzung ist deshalb ein wichtiges Ziel. So beantworten Expert*innen auf www.umsetzungsbegleitung-bthg.de Fragen rund um das BTHG, wie zum Beispiel zum Teilhabeplan-Verfahren. Auch eigene Erfahrungen oder Kritik können hier mitgeteilt werden. All das fließt ein in die Auswertung des BTHG und seiner Umsetzung.

Auch in NRW ist die Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung in die Umsetzung des BTHG eingebunden. So wurde seit letztem Herbst verhandelt, welche Leistungen in welcher Qualität in NRW künftig bezahlt werden. Darüber wird dann ein Vertrag, ein „Landes-Rahmen-Vertrag“, abgeschlossen. Früher diskutierten die „Leistungs-Erbringer“ und die „Leistungs-Träger“, die später die Leistungen bezahlen, diese Fragen allein. Seit letztem Herbst waren erstmalig Vertreter*innen der Selbsthilfe, auch aus dem Netzwerk, daran beteiligt. Sie durften zwar nicht entscheiden, konnten aber zumindest ihre Sichtweise vorstellen. Dass ihnen auch zugehört wurde, berichten die Vertreterinnen der Selbsthilfe, darunter auch unsere Netzwerk-Sprecherinnen.

Wer den Artikel bis hier gelesen hat, merkt schon: Beteiligung ist keine leichte Sache und der Motor der Inklusion braucht viel Energie. Wir freuen uns deshalb über Unterstützung und weitere Mitstreiterinnen!

Auf Facebook teilen

Mit den Frauen sprechen:

Das Netzwerk beim Tag der Begegnung

Viele Menschen sitzen und stehen draussen, jubeln und klatschen in die Hände.
Begeisterung vor einer der vielen Bühnen auf dem Tag der Begegnung

Das Netzwerk war beim diesjährigen "Tag der Begegnung", den der LVR in Köln ausgerichtet hat. Das NetzwerkBüro hat dazu jetzt einen kleinen Film erstellt und auf Facebook eingestellt. Darin erklären wir, warum eine Veranstaltung wie der "Tag der Begegnung" für uns als Netzwerk so wichtig ist. Wir hatten in diesem Jahr keinen Stand, sondern haben uns selbst auf den Weg gemacht. Wir haben Stände besucht und uns informiert, aber auch Frauen unsere Info-Karte gegeben und damit das Gespräch gesucht. Manche wollten gern direkt weiteres Informationsmaterial, andere haben uns ihre Adresse gegeben, und dritte von sich erzählt. Begegnung und Austausch mit unterschiedlichen Frauen brauchen wir aus vielen Gründen: Wir bekommen mit, ob es neue Themen, Probleme oder Fragestellungen gibt. Natürlich können wir uns auch neuen Frauen vorstellen und sie ins Netzwerk einladen.

Aus diesen Gesprächen haben wir z.B. gelernt, mit welchen Schwierigkeiten viele Frauen mit Behinderung im Alltag noch immer zu kämpfen haben.  So war zum Thema Gewalt der Bericht einer jungen Mutter mit fortschreitender Erkrankung sehr eindrücklich. Sie hatte sich informiert über die regional verfügbaren Frauenhausplätze. Weil sie aber keinen Platz in einem Frauenhaus finden konnte, wo sie mit ihrem Assistenzbedarf hätte unterkommen können, ist sie dann doch zuhause wohnen geblieben.

Vor nun 20 Jahren wurde der "Tag der Begegnung" initiiert, nachdem ein Gericht Beschwerden von Nachbarn Recht gegeben hatte, die sich von Menschen mit Behinderung gestört fühlten, und den Menschen mit Behinderung stattdessen regelmäßigen Hofgang empfahl. Seitdem sind 20 Jahre vergangen. Vor zehn Jahren ist auch in Deutschland die UN BRK in Kraft getreten, wir haben ein Bundes-Teilhabegesetz und es hat sich Vieles verbessert. Wir können aber längst noch nicht von Gleichberechtigter Teilhabe sprechen – dazu brauchen wir noch mehr Kämpfe und Anstrengungen. Einmal im Jahr ein schönes Fest auf dem Rheinufer – das ist nur ein Boxenstopp.

Hier geht es zu unserem kleinen Filmbeitrag auf Facebook.

Auf Facebook teilen

Deine Stimme für Europa

Europa zwischen Kulturaustausch und Einsamkeit

Unsere Sprecherin Gertrud Servos spricht vor Publikum über die Europawahl.
Vorbereitung auf die Europa-Wahl in einer Einrichtung im LVR-HPH Netz West

Kurz vorm Wahlsonntag sprachen wir mit unserer Sprecherin Gertrud Servos, zugleich Vorsitzende des Landesbehindertenrates, über die Europawahl. Was kann Europa verbessern und was kann es nicht? Gertrud gab zwei Beispiele.

Europa kann das Kennenlernen von Menschen aus verschiedenen Ländern fördern, z.B. durch Austauschprogramme.

Ein sehr erfolgreiches Programm für viele junge Leute ist Erasmus. Über das Erasmus-Projekt werden Studierende oder Auszubildende unterstützt, die für ein paar Monate Jahr ins Ausland gehen wollen. Sie können an einer Hochschule im Ausland studieren und Sprache und Kultur des Gastlandes kennenlernen.

Gertrud Servos: „Bislang können z.B. die Student*innen mit Behinderung, die Pflegebedarf haben und Pflegeleistungen beziehen, die Möglichkeiten von Erasmus nicht nutzen. Ich habe in den letzten Wochen mit Kandidat*innen für das Europäische Parlament darüber gesprochen. Sie haben versprochen, dass sich das ändert. Künftig soll der Pflegebedarf kein Hindernis mehr sein!“

Europa kann nicht persönliche Probleme vieler Einzelner verändern, wie z.B. die Einsamkeit.

Der Landesbehindertenrat ist in die letzten Wochen in verschiedene Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen gegangen und hat über die Europawahl informiert.

Gertrud Servos: „Wir haben erklärt, wie die Wahl funktioniert und welche Hilfsangebote es gibt, damit auch Menschen mit Behinderungen wählen können. Dann haben wir Probewahlen durchgeführt. Was uns dabei überrascht hat: Unter den drei Parteien mit den meisten Stimmen war eine Partei mit dem Wort ‚Familie‘ im Namen. Die behinderten Menschen haben immer wieder gesagt, dass sie die gewählt haben, weil sie gern selbst Familien hätten und einsam sind. Das fand ich sehr traurig. Und das ist eines der Probleme, die Europa eben nicht lösen kann“.

Aber auch um die „europäischen“ Probleme lösen zu können, müssen viele Menschen wählen gehen. Wir hoffen, auch ihr geht am Sonntag zur Wahl!

Auf Facebook teilen

Amtssprache verständlich machen

Vortrag in Leichter Sprache

Was ist das Gegenteil von Leichter Sprache? Die Sprache der Verwaltung. Das hören wir zumindest oft in Gesprächen. Anträge oder Bescheide zu verstehen, ist für niemanden einfach. Bei Behörden oder Ämtern kann aber jedes Missverständnis ärgerliche Folgen haben. Es kann Zeit kosten oder zum Verlust von Geld und anderen Leistungen führen. Wir freuen uns deshalb über jede Verwaltung, die versucht, auch Leichte Sprache zu nutzen.

So hat in der letzten Woche unsere Kollegin Antje Brandt beim Seminar mit Gisela Holtz vom Netzwerk Leichte Sprache in Recklinghausen einen Vortrag zur Leichter Sprache gehalten. Eingeladen hatte die Behindertenbeauftragte der Stadt Recklinghausen Barbara Ehnert. 17 Frauen und Männern aus der Stadtverwaltung sind gekommen. Sie haben schon vorher Texte in Amtssprache eingereicht wie zum Beispiel Einladungen oder Pressemitteilungen.

Nach Antje Brandts Vortrag über Vorteile der Leichten Sprache und die wichtigsten Regeln wurden Texte gemeinsam übersetzt. Anschließend hat eine erfahrene Prüferin die neuen Texte auf Verständlichkeit geprüft. Ein wichtiges Kriterium Leichter Sprache ist es nämlich, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten die Texte tatsächlich verstehen. Verblüfft waren die Teilnehmenden, dass trotz der von ihnen vereinfachter Sprache in ihren Texten immer noch Stolpersteine zu finden waren. „Leichte Sprache ist ganz schön schwer“, betont Antje Brandt, die im NetzwerkBüro für Beratung zu Leichter Sprache verantwortlich ist. „Aber je einfacher die Sprache, desto besser können sie alle verstehen. Und nur wer seine Rechte lesen und verstehen kann, kann diese auch einfordern!“

Auf Facebook teilen

Minister Laumann im Gespräch mit dem Netzwerk

Selbstbewusstsein stärken – frühen Eintritt in den Arbeitsmarkt fördern

Netzwerk-Sprecherin Gertrud Servos
Netzwerk-Sprecherin Gertrud Servos

In der Woche vor Ostern waren Vertreterinnen des Netzwerks „Frauen und Mädchen mit Behinderung / chronischer Erkrankung NRW“ zu einem ersten Gespräch mit Minister Karl-Josef Laumann nach Düsseldorf eingeladen. Seit Gründung des NetzwerkBüros, das seit 1996 die Arbeit der ehrenamtlichen Netzwerk-Frauen unterstützt, war dieses aus Frauen-/Gleichstellungs-Mitteln gefördert worden. Seit September 2018 sind wir nun dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales zugeordnet – Grund genug, um uns vorzustellen.

Eingangs haben wir unsere Arbeitsstruktur erläutert und über die politische Vertretung auf Landesebene gesprochen. Auch der Arbeitsalltag des NetzwerkBüros war Thema, mitsamt konkreten Beispielen: Was bedeutet unsere Lotsenfunktion? Wie gehen wir vor gegen Gewalt? Warum finden Frauen mit Behinderung besonders schlecht Zugang zum Arbeitsmarkt? Minister Laumann war interessiert, kenntnisreich und fragte sehr konkret nach. 

Besonders anregend für die künftige Arbeit fanden wir diese drei Gesprächsthemen, die wir euch hier kurz schildern:

Selbstbewusstsein stärken

Mädchen und Frauen brauchen viel innere Stärke. Nur so können sie ihre Interessen trotz Behinderung oder chronischer Erkrankung durchsetzen und sich behaupten. Diese Stärke zu entwickeln und zu bewahren, ist oft schwer und braucht Unterstützung. Was können wir hierzu beitragen, auch über unsere eigenen Empowerment-Angebote hinaus?

(Junge) Frauen möglichst früh in den allgemeinen Arbeitsmarkt bringen

Oft weisen wir ja darauf hin: Für ein gutes Leben und gesellschaftliche Teilhabe bietet noch immer Erwerbsarbeit im allgemeinen Arbeitsmarkt eine wichtige – wenn nicht gar die beste – Voraussetzung. Wo können wir ansetzen, um (junge) Frauen auf diesem Weg zu unterstützen? Und was ist mit den Frauen, denen der allgemeine Arbeitsmarkt versperrt bleibt?

Die existierenden Vorhaben oder Programme stärker nutzen

Beispiel 1: Der Koalitionsvertrag verspricht, „bei Neueinstellungen im Landesdienst insgesamt einen jährlichen Anteil Schwerbehinderter von fünf Prozent“ zu erreichen.

Beispiel 2: Seit Herbst 2017 soll das Berufsorientierungsprogramm für Schüler*innen mit (Schwer-)Behinderung „Kein Abschluss ohne Anschluss – Schule trifft Arbeitswelt (KAoA-Star)“ Wege in Betriebe eröffnen.

Wie können wir dazu beitragen, dass (junge) Frauen solche Möglichkeiten nutzen, dass sie sich bewerben und Stellen, Beratung sowie Förderung aktiv einfordern?

Wir bedanken uns für das anregende Gespräch und freuen uns auf das nächste Zusammentreffen.

Auf Facebook teilen

Ablehnende Stellungnahme zur nicht-invasiven Pränataldiagnostik

Selbsthilfe in NRW

Eine Frau mit Brille und leicht rötlichem Haar: Gertrud Servos, Vorsitzende des Landesbehindertenrats in NRW und Sprecherin des Netzwerks Frauen und Mädchen mit Behinderung / chronischer Erkrankung
Gertrud Servos, Vorsitzende des Landesbehindertenrats in NRW und Sprecherin des Netzwerks Frauen und Mädchen mit Behinderung / chronischer Erkrankung

Die Debatte, ob Krankenkassen die Kosten für den Bluttest als Pränataltest übernehmen sollen, ist im vollen Gange und wirft ethische und rechtliche Fragen auf. Die Vertreter*innen der Selbsthilfe innerhalb des Beirates im Ausschuss für Inklusion und Menschenrechte der Landschaftsversammlung Rheinland beim LVR in Köln haben sich in ihrer Sitzung am 20.03.2019 mit diesem Thema intensiv beschäftigt und einstimmig Stellung dazu bezogen: „In den wirksamen und  gleichberechtigten Genuss des Rechts auf Leben kommt ein Mensch mit  Behinderung nicht, wenn sein Leben noch vor der Geburt auf Grund  seiner Behinderung – und damit zu einem Zweck, der in einem in offenem Widerspruch mit der UN-Behinderten-Konvention steht – beendet wird. Wir sind der Meinung, dass dieser Test unzulässig und verfassungswidrig ist. Wir lehnen daher konsequenterweise auch die Kostenübernahme durch alle Krankenkassen ab.“ Unterzeichnet ist der Brief von Gertrud Servos, Vorsitzende des Landesbehindertenrats in NRW und Sprecherin des Netzwerks Frauen und Mädchen mit Behinderung / chronischer Erkrankung.

Den vollständigen Text der Vertreter*innen der Selbsthilfe dokumentieren wir hier:

Weiterlesen … Auf Facebook teilen

Frauen mit Behinderung in Kommunen und Kreisen sichtbarer machen

Vernetzungstreffen für Werkstatt-Frauenbeauftragte aus den Kreisen Wesel, Kleve und Borken

Eine Frau mit einem Mikro in der einen Hand und einem Blatt bedrucktem Papier in der anderen. Es ist die Projektreferentin Elena Doudis. Auf dem Blatt sind die Orte eingezeichnet, aus denen die Frauenbeauftragten kommen.
Projektreferentin Elena Doudis zeigt auf die Orte, aus denen die Frauenbeauftragten zum Vernetzungstreffen in Wesel gekommen sind.

Frauen mit Behinderung sind nicht nur besonders von Gewalt betroffen, sondern auch selbst aktiv im Kampf gegen Gewalt. Das zeigte unser Vernetzungstreffen für Werkstatt-Frauenbeauftragte aus den Kreisen WeselKleve und Borken.

Seit zwei Jahren gibt es in allen Werkstätten für Menschen mit Behinderung gewählte Frauenbeauftragte. Sie vertreten die Interessen der Frauen mit Behinderung und sind auch erste Ansprechpersonen bei Übergriffen oder Gewalt. Um Frauen mit Behinderung in Werkstätten vorbeugend zu stärken oder betroffene Frauen gut weiterleiten zu können, spielen unterstützende lokale Netzwerke eine entscheidende Rolle. Daher haben wir am 03. April 2019 zum zweiten Mal zum Vernetzungstreffen in Leichter Sprache eingeladen: neben den Frauenbeauftragten aus Werkstätten, ihren Vertrauenspersonen und Stellvertreterinnen kamen auch Vertreter*innen der Landschaftsverbände, Frauenberatungsstellen, Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstellen (KoKoBe) sowie kommunale Behinderten- und Gleichstellungsbeauftragte.

Die Teilnehmerinnen begegneten sich in regionalen Arbeitsgruppen und diskutierten im geschützten Rahmen, wie sie gemeinsam Projekte für Frauen mit Behinderung initiieren könnten. Es wurde deutlich, dass es kaum trägerübergreifende Zusammenarbeit der Frauenbeauftragten gibt und dass zugleich die Interessen und Bedarfe der Frauen mit Behinderung bei vielen Beratungsstellen oder anderen lokalen Institutionen noch wenig gesehen und berücksichtigt werden. Auf der Veranstaltung wurden gemeinsam konkrete Verabredungen getroffen und erste zur engeren Verzahnung von Unterstützungsangeboten und dem Aufbau dauerhafter Vernetzungsstrukturen in Kreisen und Städten.

Dieses Treffen in der VHS Wesel fand statt im Rahmen des vom Land NRW geförderten Projekts „Sicher, Stark und Selbstbestimmt“ für Frauen in Einrichtungen der Behindertenhilfe“ und in Kooperation mit LVR und LWL sowie dem Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW.

Auf Facebook teilen

Von den „Krüppelfrauen“ zur 10 Jahre UN BRK

„Der Systemwechsel steht noch aus“ (Theresia Degener)

Das Foto zeigt Theresia Degener im Gespräch, bei unserem Fachtag „Sicher, Stark und Selbstbestimmt“ im Juli 2017
Theresia Degener im Gespräch bei unserem Fachtag „Sicher, Stark und Selbstbestimmt“ im Juli 2017

Am zehnten Jahrestag des Inkrafttretens der UN-BRK wurde die Bochumer Jura-Professorin Theresia Degener, bis Ende 2018 Vorsitzende des internationalen Prüfausschusses zur Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention (UN-BRK, für ihre (inter-)nationalen Verdienste von Bundesminister Hubertus Heil mit einem Festakt geehrt und fand einmal mehr kritische und deutliche Worte zum Umsetzungsstand der UN-BRK.

Für uns im Netzwerk ist Theresia Degener schon seit vielen Jahren ein wichtige Verbündete und Vordenkerin: Sie wurde schon in den 80er Jahren bekannt als eine der Herausgeberinnen des Buches „Geschlecht: Behindert. Besonderes Merkmal: Frau“ (erschienen in 1985 in München). Die „Krüppelfrauen“, wie sie sich selbst nannten, haben in diesem Buch viele Themen angesprochen, die bis heute aktuell sind. Es geht um „Sonnentop ohne Arme ist wie Minirock mit Schienen –Das Schönheitsideal und seine Folgen“, aber auch um „Sterilisation“, „Behinderte Mütter“ oder „Berufliche Erstausbildung behinderter Mädchen“.

Wenn wir in diesem Jahr auf ein Jahrzehnt UN Behindertenrechtskonvention schauen, sind auch die Vorkämpfer*innen wichtig, die diese weitreichende internationale Konvention überhaupt erst möglich gemacht haben. Wir gratulieren deshalb nicht nur Theresia Degener sehr herzlich, sondern werten ihre Ehrung auch als Zeichen der Anerkennung für all die Frauen, die sich seit vielen Jahren für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen mit Behinderung /chronischer Erkrankung einsetzen! 

Wenn wir heute auf 10 Jahre UN Behindertenrechtskonvention schauen, sind auch die Vorkämpfer*innen wichtig, die diese weitreichende internationale Konvention überhaupt erst möglich gemacht haben. Deshalb gratulieren wir Prof. Dr. Theresia Degener herzlich und werten diese auch als Zeichen der Anerkennung für all die Frauen, die sich seit vielen Jahren für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen mit Behinderung /chronischer Erkrankung einsetzen![

Zum Nachlesen: Hier geht es zum Interview der Kolleg*innen vom KSL-Arnsberg, die am Rande der Veranstaltung mit Theresia Degener sprechen konnten. Heute ist Theresia Degener u.a. Mit-Herausgeberin des Handbuchs Behindertenrechtskonvention der Bundeszentrale für politische Bildung (samt Übersetzungen in Leichte Sprache und Gebärdensprache.

Auf Facebook teilen